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Portraitfotos im Studio

Wow… ist das Erste was mir zum zweiten Sammeltermin vor ein paar Wochen einfällt. So richtig habe ich nicht gewusst, worauf ich mich einlasse, denn von den eingeladenen Leuten, kannte ich diesmal absolut niemanden. Eine große Wundertüte also. Ich weiß garnicht wo ich anfangen soll, diese Stunden zu beschreiben. Am Besten bei einem ganz anderen Thema… Jana.

Jana – die Sandkastenfreundin von meinem Freund Christian – rief mich vor 2 Wochen an und fragte, ob ich Zeit hätte Business-Bilder von ihr zu machen. Mein Terminplan war sehr voll und deshalb kam ich auf die verrückte Idee, sie mal eben schnell noch vor meinem geplanten Sammeltermin zu fotografieren. Da hätte ich das Studio eben schon einmal aufgebaut und das ist dann die schnellste Möglichkeit, Bilder von ihr zu machen. Ich hatte sie also eine Stunde vor meinem ersten Projekttermin bestellt. Als wir mit den Bildern und dem ganzen Gequassel fertig waren, blieben noch 15min bis zu meiner ersten Teilnehmerin und ich bekam langsam Panik, das Licht nicht mehr schnell genug umgebaut zu bekommen. Sie bot sich also als Lichtmodel an und fragte dann, was ich da eigentlich vor hätte. Ich erzählte ihr von meinem Projekt und sie war begeistert. So wurde aus meinem Lichtmodel eine weitere Teilnehmerin <3

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Pünktlich um 17 Uhr klingelte es und da war sie, meine erste Teilnehmerin, eine zierliche sehr nette Bibliothekarin. Von eingestaubter Spießerin, wie ich Menschen dieser Berufsgruppe aus der Bibliothek im Heimatort oder im Studium her kannte, keine Spur. Wenn Menschen gern bei meinem Projekt mitmachen möchten, bin ich immer wieder erstaunt, welches bunte Bild sich von ganz alleine ergibt. Genau die Menschen, die ich so wichtig finde, dabei zu haben, melden sich von ganz allein und ohne mein Zutun wird das Ergebnis immer runder 🙂 Susanne sagt von sich selbst, dass sie ein bisschen fotosüchtig ist und so bewegte sie sich sehr frei und super vor der Kamera. Ein Lieblingsbild war schnell gefunden. Unser fröhlicher, neugieriger Gast war noch immer da und so stellten die beiden Mädels fest, dass sie sich sogar indirekt kennen und die Eltern mal neben einander gewohnt haben. Klein ist die Welt.

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Schwubs war schon eine halbe Stunde rum, Susanne ging, Dirk kam und Jana blieb. Dirk – einigen von euch vielleicht bekannt als der Organisator des Bonn-Stomp – stellte ich unseren anderen Gast nun als „Das ist Jana. Sie ist hier irgendwie hängen geblieben“ vor und los ging es damit den coolen Mann mit der Haartolle zu fotografieren. Seine lässige Lederjacke, die er schon über 20 Jahre hat, durfte natürlich nicht fehlen. Äußerlich der harte Rockabilly überraschte Dirk dann doch plötzlich mit seiner zarten Seite: Als wir fertig mit den Fotos waren und noch kurz quatschten, griff er in seine Jackentasche, sagte: „Ui, was ist denn das?“ und zog ein kleines Etwas heraus. Mein erster Gedanke „Sieht aus wie ein Pinocchio-Fuß“. „Ja, stimmt. Den hab ich schon gesucht.“ Fragende Gesichter. „Ist kaputt gegangen. Muss ich für meine Tochter reparieren.“

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Dirk machte sich wieder auf den Weg und Dietrich kam. Unsere Besucherin hatte sich schon an ihre neue Rolle gewöhnt und stellte sich als „die hängen gebliebene Jana“ vor. Der erste Lacher war da, die Sympathie stimmte und kurz darauf waren die Bilder im Kasten. Die Gespräche waren fröhlich. Es ging um Füße, Gärtnern auf dem Balkon und Workflowoptimierung. Ob es dann dabei im Detail um Füße oder das Gärtnern ging, weiß ich nicht mehr, aber Dietrich passte gut in unsere kleine Runde. Durch die Telekom hat es ihn vor einigen Jahren von Berlin nach Bonn verschlagen und jetzt nutzt er eine günstige Gelegenheit um nocheinmal zu studieren.

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Es klingelte noch bevor wir fertig waren. Die nächsten Teilnehmer – ein Pärchen – waren ein wenig früh. Jena fügte sich bei der Vorstellungsrunde wieder ihrer bekannten Rolle und Dietrich stellte schonmal klar, dass er ihrem Beispiel folgen würde: „Hey, ich bin der sitzengebliebene Dietrich.“ Die beiden Neuen: Sarah und Christian.  Mein Gedanke – „Ui, jetzt hab ich schon zwei Christians im Studio. Hoffen wir mal, dass der nicht so verrückt ist, wie der Hauseigene.“  – stellte sich als folgerichtig heraus. Noch mehr Spaß und coole Sprüche waren jetzt vorprogrammiert. Aber so hat sich meiner zurück gehalten und das ganze bunte Treiben weiterhin beobachtet und gefilmt 😉 Unser Wohnzimmer-Studio wurde immer voller. Ich schleppte nochmehr Stühle ran, denn nun waren wir schon zu sechst. Ich startete mit den Portraits von der Grafikdesignerin Sarah, die der Liebe wegen aus Bonn weggezogen ist. Währenddessen erfüllte Christian seine Aufgabe zur Belustigung und es entstanden sehr natürliche Bilder von ihr. Zur Strafe für die dummen Sprüche, musste er dann auch ran. Ich liebe die Dynamik bei Paarfotos – diese Spontanität die sich ganz von selbst entwickelt. Bei den Beiden konnten auch nur großartige Outtakes entstehen.

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Zwischen diesen wildfremden Leuten in unserem Wohnzimmer entstand irgendwie etwas ganz Besonderes. Alberne und auch tiefschürfende Gespräche entwickelten sich. Da gab es Pläne ein Buch zu schreiben mit dem Titel „Das Luxusdorf ist süß hier“. Eine ganz neue und nützliche Erfindung erschien uns allen plötzlich unumgänglich: Der Fellstreuer. Gut… eigentlich war es die Idee von Paul, unserm Kaninchen, der ein wenig fusselt. Auf den schwarzen Klamotten der Besucher kommen die Haare besonders gut. IKEA hat schon Interesse angemeldet, denn dadurch wird die Vermarktung ihrer Fusselrollen viel leichter. Zudem stellte sich den Besuchern folgerichtig die Frage „Und? Ihr wohnt hier?“ Geistesgegenwärtig antwortete mein Freund „Nein, wir sind Hausbesetzer. Die Bude war heute morgen frei.“

Die halbe Stunde verging wie im Flug und wieder ertönte die Klingel. Auch diesmal blieben alle. Auf Suse war ich ganz besonders gespannt. Ich freu mich auch noch immer riesig, dass sie mitmacht. Die junge Frau, die nun vor unserer Tür stand, ist Anfang 20 und bezeichnet sich selbst als „Lebenskünstlerin“. Durch die Portraits von 1zwo3 ist sie auf das Projekt aufmerksam geworden und hat mir vor ein paar Wochen gemailt. Jedes Mal wenn ich am Bahnhof entlang gehe, denke ich, dass es wichtig wäre, auch Menschen, die auf der Straße leben, dabei zu haben. Ich habe mich nur nie getraut, einfach jemanden anzusprechen. Und da war sie. Die junge fröhliche Frau mit den bunten Rastas, die in kein Standardschema passt und so etwas wie ein Zuhause im klassischen Sinne selten hat.

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Schon war es 20 Uhr. Oliver kam, Suse hatte noch nen Termin, der Rest fühlte sich noch immer wohl in unserem Wohnimmer. Der junge Mann vor meiner Kamera – gebürtig aus dem schönen Osten der Republik, also auch eingewandert, wie ich – war bei Weitem nicht so laut, wie der fröhliche Haufen um uns herum, dafür aber kein Stück weniger sympathisch.

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Noch bevor der „Tumult“ um uns herum zu eskalieren drohte, war sein Projektbild im Kasten. Dann blieb noch Zeit für ein Gruppenbild mit dieser bunten Meute und da klingelte auch schon Laila, die letzte Teilnehmerin des Tages. Wir haben die Chance genutzt und sie schnell noch zum Gruppenbild hinzugerufen.

Und dann passierte das unerwartete: Unser Dauergast Jana verabschiedete sich! Verdammt! Auch die anderen waren plötzlich alle wie auf Kommando aufgesprungen und auf dem Weg nachhause. Christian hat das Ganze auf der Türschwelle mit einem Grinsen nocheinmal gut zusammen gefasst: „So wurden aus 10 Minuten, plötzlich 2 Stunden.“ Vorsichtshalber hab ich nocheinmal überprüft ob unsere Mäuse und Kaninchen noch vollzählig sind, denn Sarahs Tasche sah verdächtig dick aus 😉

Nach einer kurzen Verschnaufpause blieb also noch Zeit, die dunkelhaarige Schöne mit den marokkanischen Wurzeln abzulichten. Hier eines der Outtakebilder 🙂

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Puuh… Nach mittlerweile über 5h hinter der Kamera war ich fertig mit der Welt, aber glücklich. Wir verbliebenen drei machten es uns dann mit ein paar Gläschen Weißwein bzw. Bier auf dem Sofa gemütlich und ließen den Abend ausklingen.

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Anmerkung der Redaktion: Es waren keinerlei Rauschmittel oder Alkohol im Spiel. Ich glaube, sonst wäre unser aller Wahnsinn nicht auszuhalten gewesen 🙂 Leute, das war großartig. Das will ich nochmal!


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3 Kommentare

  1. Pingback: Jana – Der Bonner Weichnachtsmarkt | Gesichter Bonns

  2. Hallo Beatrice,
    Dein Projekt hat mich sofort sehr angesprochen.Zum einen ist die Fotografie ein wichtiger Teil meines Lebens,zum anderen lebe und arbeite ich total gerne in Bonn.
    Die Idee zu Deinem Projekt und Deine Begeisterung dafür erfreuen mich sehr.
    Auf meinen vielen Reisen habe ich Tausende Fotos aufgenommen,die einem ,so zu sagen, von allein ins Auge fallen.Der Fotografie durch die Idee eines Projekts Inhalt zu geben ist eine tolle Sache.
    Also,wenn ich Dein Projekt unterstützen kann,tue ich das sehr gerne.
    Mit freundlichen Grüssen,
    Klaus Schneppenhorst

  3. Pingback: Oliver und das Haribo-Badminton-Center - Gesichter Bonns

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